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Der Förderkreis Geschichtsort Topf & Söhne hat sich 1999 als ein offener und heterogener Kreis gegründet, der die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Topf & Söhne vorantreiben und verstetigen will.
2009 ist aus dem Förderkreis Geschichtsort Topf & Söhne der eingetragene Verein Erinnerungsort Topf & Söhne hervorgegangen. Im Zuge der Vereinsgründung entstand auch eine neue Internetpräsenz (www.topfundsoehne.de). Dort finden sich auch die aktuellen Kontaktadressen. Die alte Homepage wird seitdem nicht mehr aktualisiert, bleibt aber zur Dokumentation der Förderkreisaktivitäten in den Jahren von 1999 bis 2009 weiterhin bestehen.

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Vorwort

Eine Brache ist ein verlassener Ort. Wo einmal gewohnt oder gearbeitet wurde, herrscht jetzt Stille. Zwischen Beton und Pflastersteinen wächst Gras. Die große Montagehalle der Firma J.A. Topf & Söhne ist leer, und Müll liegt in ihr herum. Hier wurden einmal Öfen für Auschwitz gebaut und Mälzereianlagen für deutsches Bier. Kann man Geschichte sehen?

Das ist eine Frage der Kunst. Besonders die Fotografie kreist um das Problem der Sichtbarkeit. Sie nimmt Bilder ab von der Oberfläche der Dinge. Wer die Brache gut kennt wie ich, ist erstaunt, was die Fotografen, die sich diesem Ort näherten, sichtbar gemacht haben. Aber was ist mit der Tiefendimension dieses Ortes, seiner Geschichte?

Die hier dokumentierten Kunstwerke gehen nicht weiter als sie können. Die monumental wirkenden Stillleben von Hans-Peter Szyska stehen ebenso ratlos vor der dichten Oberfläche der Dinge wie die Arbeiten von Thomas Kummerow oder Jürgen Maria Pietsch. Diese dokumentieren die Blümchentapeten, die diesen Ort nach 45 verkleideten oder die undurchdringliche Außenhaut eines toten Geländes mit seinen verlassenen Gebäuden.

Claus Bach und Walter Bergmoser dringen in diese schweigende Oberfläche ein. Der eine bricht die Ansichten im Zeichensaal, von wo aus man auf den Ettersberg blickt, in grelle Grundfarben auseinander. Der andere verdunkelt die Räume und konfrontiert sie mit Sätzen aus der eigenen Biographie.

Die fünf künstlerischen Annäherungen bleiben angewiesen auf die Arbeit der Erinnerung. Diese leistet seit Jahren ein Förderkreis, der diesen Ort ins öffentliche Bewusstsein der Stadt bringen will. Wie dies geschehen soll, ist eine offene Frage. Bisher haben Tagungen, Theateraufführungen, Schülerprojekttage und eine Vortragsreihe stattgefunden. Die Kunstausstellung, die dieser Katalog dokumentiert, ist ein weiterer Baustein dieser Bemühungen.

Nach fünfjähriger Arbeit stehen die Chancen so gut wie noch nie. Die Erfurter Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) hat das Gelände der Brache in ihr Förderprogramm aufgenommen und sucht nach einer Nutzung, die im Einklang mit der Initiative gefunden werden soll. Der Erfurter Stadtrat hat am 21. Februar 2001 beschlossen, dass die Stadtverwaltung die Arbeit der Initiative, einen Ort der Erinnerung zu etablieren, unterstützen soll.

Kann man Geschichte sehen? Das Gedächtnis braucht sichtbare Zeichen. Die Chancen stehen gut, dass die Erfurter Brache des Krematorienherstellers J.A. Topf & Söhne eine solche Markierung erhält.

Frank Hiddemann