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Der Förderkreis Geschichtsort Topf & Söhne hat sich 1999 als ein offener und heterogener Kreis gegründet, der die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Topf & Söhne vorantreiben und verstetigen will.
2009 ist aus dem Förderkreis Geschichtsort Topf & Söhne der eingetragene Verein Erinnerungsort Topf & Söhne hervorgegangen. Im Zuge der Vereinsgründung entstand auch eine neue Internetpräsenz (www.topfundsoehne.de). Dort finden sich auch die aktuellen Kontaktadressen. Die alte Homepage wird seitdem nicht mehr aktualisiert, bleibt aber zur Dokumentation der Förderkreisaktivitäten in den Jahren von 1999 bis 2009 weiterhin bestehen.

Projekte

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1998

 

Foto-Workshop

17. - 19. Juli 1998 auf dem ehemaligen Betriebsgelände von Topf & Söhne, Erfurt, Sorbenweg 7-9

Das DGB-Bildungswerk Thüringen e.V. veranstaltete im Juli 1998 einen Fotoworkshop, der sich mit dem ehemaligen Betriebsgelände von Topf & Söhne in Erfurt beschäftigte.

Unter Anleitung eines Fotografen erkundeten die überwiegend jugendlichen TeilnehmerInnen das Gelände und versuchten den Transfer von der Vergangenheit in die Gegenwart mittels Fotografie. Im Hinblick auf die Frage: "Ist Geschichte abbildbar?" untersuchen sie bildnerische Möglichkeiten auf ihre Vermittlungskraft.

Einige Ergebnisse wurden im Erfurter Gewerkschaftshaus präsentiert.

Alternativer Stadtrundgang

3. Oktober 1998

Am 3. Oktober 1998 fand ein Stadtrundgang "Verfolgung, Vertreibung, Vernichtung der jüdischen Bevölkerung Erfurts" unter der Leitung von Dr. Helma Bräutigam statt, bei der auch auf die Geschichte von Topf & Söhne eingegangen wurde.

Ausgerichtet wurde dieser Rundgang vom Bildungsring Geschichte und dem DGB-Bildungswerk Thüringen e.V..

Veranstaltungsreihe "Topf & Söhne - Holocaust und Moderne"

19. - 22. Oktober 1998, Haus Dacheröden

Im Oktober 1998 fand die erste Veranstaltung in Erfurt statt, bei der das Projekt "Topf & Söhne - Holocaust und Moderne" in der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Organisiert wurde diese mehrtägige Veranstaltungsreihe von dem Journalisten Hartmut Topf, einem Verwandten der Industriellenfamilie J. A. Topf & Söhne, Eckhard Schwarzenberger, dem Europäischen Kultur- und Informationszentrum in Thüringen e.V., der Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen e.V., dem DGB-Bildungswerk Thüringen e.V., der Evangelischen Akademie Thüringen, dem Bildungsring Geschichte e.V. und dem Hamburger Institut für Sozialforschung.

Erfurter Bürgerinnen und Bürger bekamen die Gelegenheit, mit Fachleuten über die Bedeutung und Aussagekraft des Holocaust für unsere heutige Gesellschaft und über den Umgang mit der Geschichte der Firma J. A. Topf & Söhne in Erfurt zu diskutieren.

An der Tagung nahmen renommierte Wissenschaftler teil: Zygmunt Bauman wies in seinem Vortrag auf die ungebrochene Aktualität des Diskurses über die modernen gesellschaftlichen Mechanismen hin, ohne die der fabrikmäßige Massenmord nicht denkbar sei und die in eklatanter Weise in der heutigen Gesellschaftsforschung nach wie vor weitgehend unberücksichtigt blieben. Harald Welzer fragte nach sozialpsychologischen Erklärungen dafür, wie ganz normale Menschen "in vollendeter Inhumanität", nämlich frei von Hass, morden konnten. Alf Lüdtke betonte die Notwendigkeit einer eingehenden Untersuchung des Begriffs der "deutschen Qualitätsarbeit" als milieu-, geschlechter- und generationenübergreifenden Orientierungsbegriff, der beim "Mitmachen" eine tragende Rolle übernahm. Johannes Weiß bewertete auch das "Stellvertretende Handeln" als eine Kategorie des "Mitmachens", wie sie in Organisationen stets anzutreffen ist. Wolfgang Scheffler machte deutlich, dass die Firma J. A. Topf & Söhne ein Beispiel ist für die Verbindung von arbeitsteiligen Prozessen, Pflichterfüllung, Arbeitsethos, Geschäftemacherei und gewissenlosem Eifer Einzelner, die im Zusammenwirken einen ganz entscheidenden Beitrag zur Verwirklichung der Vernichtungsmaschinerie ausmachte.

Die Veranstaltungen eröffneten die Diskussion um die sozialpsychologischen, gesellschafts- und ideologiekritischen Begründungen des Holocaust, die auch bei den TeilnehmerInnen der Tagung kontrovers bewertet wurden. Anhand der Frage "Wenn ich es nicht tue, dann tun es andere ...?" wurde das Verhältnis von Mitmachen und Sich-Verweigern auch auf die heutige Zeit bezogen.

Alle bei der Tagung anwesenden Fachleute waren sich in ihrer Einschätzung darüber einig, dass in Erfurt mit dem Gelände von J. A. Topf & Söhne alias EMS (Erfurter Mälzerei- und Speicherbau) in unmittelbarer Nachbarschaft zu Buchenwald eine in Deutschland wohl einmalige Chance für die Auseinandersetzung mit der "Alltagsgeschichte des Holocaust" gegeben sei.

Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildete ein Werkstattgespräch mit Fachleuten aus Kunst und Kultur, bei dem erste Ansätze für eine Weiterentwicklung des Projektes und der Nutzung des Betriebsgeländes als Ort der Auseinandersetzung diskutiert wurden.

Eine besondere Qualität der Veranstaltungsreihe war, dass wichtige Fragestellungen für eine inhaltliche Auseinandersetzung formuliert und debattiert wurden und so ein theoretischer Rahmen für das Projekt entwickelt werden konnte.

Schülerworkshop

"Wenn ich es nicht tue, dann tun es andere ..."

mit Erfurter Schulen

21. Oktober 1998, Haus Dacheröden

Am 21. Oktober 1998 berichtete Hartmut Topf aus seinen Erfahrungen im Umgang mit der Vergangenheit seiner Familie vor SchülerInnen aus Erfurter Schulen. Mit dabei war auch ein ehemaliger Angehöriger der Firma Topf & Söhne. Diese Veranstaltung bedeutete einen ersten Ansatz, die Problematik des "Mitmachens" bei der Verwirklichung des Holocaust bei jungen Schülerinnen und Schülern bewusst zu machen.

Eine Sensibilisierung gerade junger Menschen stellt ein wichtiges pädagogisches Ziel des Projektes dar. Hier zeigt sich, dass es um weitaus mehr geht, als nur um Erinnerung in Form eines Prozesses der Vergegenwärtigung von Vergangenem. Die Aktualität der Thematik speist sich aus Beobachtbarem, aus der Alltagswelt.

Fragen wie "Was haben wir heute noch mit dieser Vergangenheit zu tun?" oder "Wie konnte es geschehen, dass ganz normale einfache und auch unpolitische Leute mitmachten?" sind bis heute zentral und betreffen Menschen in jedem Alter und an jedem Ort. In einem offenen Gespräch konnten solche und andere Fragen gestellt und besprochen werden. Im direkten Kontakt mit Zeitzeugen wurde das Thema "Wenn ich es nicht tue, dann tun es andere..." diskutiert. Die SchülerInnen hatten hierbei die Möglichkeit, sich zu informieren, zu reflektieren und ihre Meinung zu sagen. Gerade für das Letztgenannte bedarf es Veranstaltungen dieser Art.