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Der Förderkreis Geschichtsort Topf & Söhne hat sich 1999 als ein offener und heterogener Kreis gegründet, der die Auseinandersetzung mit der Geschichte von Topf & Söhne vorantreiben und verstetigen will.
2009 ist aus dem Förderkreis Geschichtsort Topf & Söhne der eingetragene Verein Erinnerungsort Topf & Söhne hervorgegangen. Im Zuge der Vereinsgründung entstand auch eine neue Internetpräsenz (www.topfundsoehne.de). Dort finden sich auch die aktuellen Kontaktadressen. Die alte Homepage wird seitdem nicht mehr aktualisiert, bleibt aber zur Dokumentation der Förderkreisaktivitäten in den Jahren von 1999 bis 2009 weiterhin bestehen.

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Eckhard Schwarzenberger

Öfen für Auschwitz

Eine kurze Betriebsgeschichte der Erfurter Firma J.A. Topf & Söhne

Die Firma J.A. Topf wurde 1878 von Johann Andreas Topf gegründet. Er war von Beruf Bierbrauer. Die Firma war zunächst am Mainzhof Platz angesiedelt, wechselte aber wohl nach kurzer Zeit in die Dreysestraße. Am alten Standort baute Topf eine Brauerei aus, die ihm erlaubte die selbstentwickelten Brauerei- und Mälzereitechnologien zu testen. Mit 40 Jahre Branchenerfahrung hatte er sich bereits seit einigen Jahre auch mit der Verbesserung industrieller Feuerungs- und Lüftungsanlagen befasst. Topf war überzeugt, dass die bis dato angewandte Technik unwirtschaftlich sei und eine Verbesserung der vorhandenen Einrichtungen erforderlich machten.

1885 traten die beiden jüngsten Söhne Ludwig (25) und Julius (22) in das Geschäft ein und begründeten gemeinsam mit dem Vater die Firma J.A. Topf & Söhne. Kurz darauf kamen auch die älteren Söhne, der Techniker Albert und der Chemiker Gustav hinzu.

Bereits schon um die Jahrhundertwende, also ca. 15 Jahre nach Firmengründung, entwickelte die Geschäftstätigkeit, besonders durch das strategische Verständnis von Ludwig Topf geführt, ein derartiges Volumen, dass ein weitverzweigtes Vertreternetz und Zweigniederlassungen in Berlin, München, Köln und Brüssel eingerichtet wurden. 1903 hatte die Firma bis zu 1300 Mitarbeiter.

Die beiden Hauptabteilungen waren: Entwurf und Ausführung moderner Dampfkessel-Anlagen sowie die Einrichtung kompletter Mälzereien. Später kam dann noch der Silobau hinzu. Bis in die 40er Jahre hinein war es Topf & Söhne gelungen, sich nicht nur in Europa, sondern weltweit einen Namen zu verschaffen.

Das Arbeitsgebiet der Abteilung für Dampfkessel-Anlagen umfasste den Entwurf und die Ausführung aller feuerungstechnischen Bestandteile, die auf die Nutzwirkung und Leistungsfähigkeit solcher Anlagen maßgebend Einfluss hatten wie u.a.:

Kesselhäuser, Rauchverhütende und Regulier-Feuerungen verschiedener patentierter Bauarten für alle Brennstoffe, Mechanische Feuerungsapparate patentierter Konstruktion für Steinkohlen, böhmische Braunkohlen, Briketts, Regulier-Schütt-Feuerungen für Braunkohlen, Braunkohlen-Briketts, Holzabfälle, Torf, Lohe, Dampfüberhitzer eigener Bauart, aus nahtlosen, gezogenen Stahlrohren, für Temperaturen bis 500¡, 15-25 % Dampfersparnis, Mechanische Selbstbeschickungs-Apparate patentierter Bauart, auch für Förderkohle geeignet, wie die nach Reichspatent angemeldete und überaus erfolgreiche Baureihe Katapult, Einmauerung von Dampfkesseln, Überhitzern, Ekonomisern, Speisewasservorwärmern mit Zügen, nach "topfscher Bogenbauart" von "unerreichter Dauerhaftigkeit", Einmauerungsgarnituren, darunter gasdichte Fenster und Türen.

Das Arbeitsgebiet der Abteilung Mälzerei-Einrichtungen umfasste u.a.:

Komplette Mälzereianlagen, Grünmalzerzeugungs-Anlagen, Malzdarren, pneumatische und mechanische Transport-Anlagen, Trocken-Apparate für körnige Güter und Einrichtungen für Teigwarenfabriken.

Die Firma errichtete komplette Mälzereianlagen für traditionsreiche Brauereien wie König, DAB, Pilsener, Carlsberg, Castle Beers oder Tuborg in aller Welt. Entsprechend lautete auch der Wahlspruch von Topf: "Topf in alle Welt".

Während des ersten Weltkriegs wurden u.a. Granten und andere Kriegsgüter fabriziert. Besondere Erfolge errang Topf & Söhne nach dem Krieg mit ihrer speziell entwickelten Hochleistungs-Feuerung, die eine äußerst wirtschaftliche Verbrennung von Braunkohle erlaubte, da die Steinkohlelieferungen als Reparationszahlungen an die Entente- Staaten gingen.

Schon recht früh gehörte mit einer kleinen Abteilung auch die Entwicklung und Fertigung von Krematoriumsöfen zur Produktpalette. Während Topf & Söhne auf dem Gebiet der Brauerei- und Mälzereianlagen bis in die 40er Jahre hinein weltweit eine Spitzenposition einnahm, blieb die Herstellung von Krematoriumsöfen allerdings ein Randgeschäft. Aber auch auf diesem Gebiet war das Unternehmen technischer Vorreiter und arbeitete laufend an der Verbesserung der Einäscherungstechnik. Die Feuerbestattung war erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder verstärkt aufgekommen und hatte seit den 20er Jahren einen beachtliche Verbreitung gefunden, insbesondere in den skandinavischen Ländern aber zunehmend auch auf dem mitteleuropäischen Kontinent. Ab den 20er und 30er Jahren belieferte Topf & Söhne städtische Krematorien in ganz Deutschland und in aller Welt. Die ersten Öfen gingen an Hannover, Dortmund, Ilmenau und Freiburg. Ab 1928 leitete Kurt Prüfer die Abteilung.

1935 übernahmen die beiden Brüder Ludwig (jun.) und Ernst Wolfgang nun in der dritten Generation das Unternehmen und führten es durch mehrere teils schwere Liquiditätskrisen, die Anfang der 30er Jahren u.a. in der Folge der Weltwirtschaftskrise bedrohliche Ausmaße annahmen. Diese konnten mit Hilfe von Bankkrediten vor allem der Deutschen Bank Filiale Erfurt überwunden werden.

Bis in die 40er Jahre hinein gab es bei Topf ein Umfeld für innovative Entwicklungen mit einer hohen Zahl von angemeldeten Patenten in allen Geschäftsbereichen. Die Organisation war solide, die Führung war jung und die Firma meisterte die Kriegsjahre. In diesen Jahren beschäftigte Topf & Söhne über 100 Spezial-Ingenieure und Techniker und fertigte über 7000 Anlagen in aller Welt, die vor Ort montiert und optimiert wurden.

Anfang der 40er Jahre entschloss sich Topf & Söhne zur Zusammenarbeit mit der SS. Es wurden Entlüftungsanlagen für Gaskammern in Auschwitz gefertigt und Krematoriumsöfen zunächst für Buchenwald, Dachau, Mauthausen und andere Konzentrationslager entwickelt. Später baute die Firma große leistungsfähige Öfen mit mehreren Verbrennungskammern (Muffeln) für das Vernichtungslager Auschwitz - Birkenau.

Der Umsatzanteil aus den Krematoriumsgeschäften von weniger als drei Prozent zeigt, dass diese Aufträge für das Unternehmen keineswegs überlebenswichtig waren. Auch ist nichts darüber bekannt, dass auf die Topf Druck "von oben" ausgeübt oder sie gar zur Annahme der Aufträge gezwungen worden wäre, im Gegenteil: In klassischem Geschäftsgebaren versuchte man die Konkurrenzfirma Kori aus Berlin auszustechen. Die Unternehmer nutzten jede "Chance", die sich ihnen bei der Vergabe von Staatsaufträgen bot.

Dabei wussten die Mitarbeiter was sie taten. Alle Anlagen wurden von hauseigenen Ingenieuren in den Lagern vor Ort installiert, gewartet und repariert. Aus Eigeninitiative entwickelte Ingenieur Kurt Prüfer sogar Vorschläge zur Verbesserung der Tötungsmechanik. Es kann als sicher gelten, dass auch die Mitarbeiter in der Firma spätestens seit Januar 1943 vom Zweck der Aufträge wussten. Von einem Einverständnis der Verantwortlichen mit den Zielen der Reichsregierung ist auszugehen. So äußerte die Geschäftsleitung 1943 in einem Gratulationsschreiben anlässlich der 25jährigen Betriebszugehörigkeit von Kurt Prüfer "Stolz und Befriedigung "...daß Sie sich dem Bau von Krematorien mit ebensoviel Interesse wie Erfolg gewidmet haben." und schließen mit dem Wunsch, "... dass noch viele Jahre fruchtbarer Arbeit uns verbinden."

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die hauptverantwortlichen Ingenieure und Firmenmitarbeiter bei Topf & Söhne verhaftet und in der Sowjetunion zu mehrjähriger Zwangsarbeit verurteilt. 1952 starb Kurt Prüfer im Gulag an den Folgen eines Schlaganfalls. Karl Schultze und Gustav Braun kehrten 1955 nach Deutschland zurück. Ludwig Topf entzog sich seiner Verhaftung 1945 durch Selbsttötung. In seinem Testament vermachte er der Stadt Erfurt einen Teil seines Privatgrundstückes auf dem heute eine Schule steht. Ernst-Wolfgang Topf setzte sich nach Wiesbaden ab und gründete 1951 die Firma neu. Nur 12 Jahre später gab er jedoch resigniert auf.

In Erfurt konnte die Topf 1948 nach der Enteignung durch die sowjetische Besatzungsmacht zunächst unter dem Namen "Nagema Topfwerke Erfurt VEB" ihre Tätigkeit fortsetzen. (Das Krematoriumsgeschäft wurde nach Zwickau verlagert.)

In den 50er Jahren, wurde Topf & Söhne nach dem griechischen Freiheitskämpfer Nikos Belojannis umbenannt, in "VEB Maschinenfabrik Nikos Belojannis". Der Name Topf & Söhne war von da an aus der Firmengeschichte verbannt. Bis zum Konkurs 1994 lief das Unternehmen unter dem Namen "VEB EMS" (Erfurter Mälzerei- und Speicherbau).

Seit 1996 arbeitet in Erfurt eine Initiative an der Frage, wie eine kritische Reflexion über diesen Teil der Erfurter Geschichte ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden kann.